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1.3.2 Quickborn

,QUICKBORN` bedeutet lebendige Quelle

Dieser Treuepflicht des Bauern entsprach seit Jahrhunderten die Fürsorgepflicht des Herrn, der z. B. bei Hausbränden für den Aufbau des Anwesens zu sorgen hatte, usw.. Nach Auflösung der personellen Bindungen war der Bauer frei, mußte aber nun nach eigenem Ermessen wirtschaften.

Aus den Unterlagen des Archivs Uffmann gebe ich einen Einblick in eine bäuerliche Familiengeschichte.

,,Gieb wieder was zusammen, Dir in den heissen Flammen So Schleunig Eingebüst erfülle dis Begehren wen solches deinen Ehren und unser Wolfahrt dienlich ist. Gott Allein die Ehre Den 17. May Anno 1810

Franz Seedorf Katharina Seedorffen"

Dieser Vers ziert den Balken an der nördlichen Giebelseite des Bauernhauses.

Am 14.1.1831 erschienen vor dem Königlichen Amt in Bleckede der Halbhöfner Franz Seedorf aus Quickborn und seine Ehefrau Catharina Dorothea geb. Rabeler, um ihren Hof an Jürgen Christoph Lühr, dem Sohn von Franz Seedorfs Schwester, zu übergeben. Den Neffen begleitete Johann Christ. L., der Vater und der ,,Bürger und Drechslermeister" Riesch aus Dahlenburg. S. erklärte, den Hof mit sämtlichem Inventar, Gebäuden, Vieh und Geld zu geben und sicherte sich dazu sein Altenteil.

Am 7. September 1831 vollzog man den Vertrag, da der Hofbesitzer die Wirtschaft nicht mehr führen konnte, und so gingen die Parteien erneut zum Amt, um die Urkunde siegeln zu lassen.

Am 6. April 1837 erschienen die Witwe Seedorfs in Begleitung ihres Schwagers, Heinrich Gerstenkorn, Buendorf und J. Chr. Lühr auf dem Amt, um einen erneuten Vertrag abzuschließen. Danach heiratete der Anerbe Lühr die Witwe Seedorf und verzichtete auf seinen von Franz Seedorf, seinem Schwager, ererbten Hof zu Gunsten seiner Geschwister gegen eine Abfindung von ,,50 Thalern, 2 Ochsen, einer Kuh, drei Sack Roggen, zwei Sack Hafer und zehn Schafen". Sollte die Ehe mit der Witwe Seedorf kinderlos bleiben, so wurde festgelegt, daß im Todesfalle der Ehefrau das Vermögen an den Ehemann fällt und im Todesfalle des Ehemannes stand der Frau das Recht zu, die Wirtschaft so lange zu führen, wie sie es konnte. Danach fiel das gesamte Vermögen den Geschwistern des Mannes zu. Die Frau erhielt das 1831 festgesetzte Altentheil und 200 rth bar. Diesen Vertrag ließ das Ehepaar Lühr jedoch am 26.4.1849 dahingehend abändern, daß auch im Todesfalle des Mannes die Ehefrau das gesamte Vermögen erbte und daher keine Beschränkungen folgten. Sie konnte dann nach Belieben mit ihrem Erbe verfahren. (74)

Am 18. November 1854 schloß Hauswirt Lühr einen Kaufvertrag mit 5 Halbhöfnern aus Quickborn und zwar mit Johann Jürgen Karstens, Wilhelm Christoph Hüter, Jürgen Heinrich Linde, Jürgen Christoph Harwege und Johann Heinrich Saucke. Lühr kaufte die sog. Hirtenkate, die ,,zwischen den Saucke- und Harwegeschen Hofstellen belegen ist". Ausgestattet mit 4 bis 5 Morgen Land, war diese Stelle bei der Teilung und Verkoppelung den genannten Interessenten zugeteilt worden. Lühr erwarb als Mitinteressent die Anteile der anderen 5 für 370 Taler. In 6 Paragraphen regelte man den Verkauf, der zur Errichtung einer Anbauerstelle diente.(75)

Folgende Halbhöfner beantragten ein Darlehen, um die Ablösungssumme bezahlen zu können. Für den Antrag mußten sie Angaben machen über die auf ihren Grundstücken liegenden Abgaben, wie ,,Zehnten, Dienste, gutsherrliche Abgaben, Kirchen- und Küsterpflichten und evt. Schulden", darzulegen durch einen beim Amtsgericht beantragten Hypothekenschein.

Sie hatten sich in der Gerichtsstube ,,einzufinden und zwar mit dem Schulzen respective von Buendorf und Quickborn und einigen gut unterrichteten Landnachbarn aus den beiden genannten Dorfschaften".

1. Heinrich Burmester, Buendorf Nr. 3 351 rth

2. Johann Heinrich Buendorf, daselbst Nr. 2 410 rth

3. Johann Jürgen Bauch, daselbst Nr. 5 373 rth

4. Jürgen Heinrich Kruse, daselbst Nr. 4 292 rth

5. Jürgen Christoph Lühr, Quickborn 574 rth (76)

Im sog. Ablösungs-Rezeß zwischen dem Halbhöfner Jürgen Christoph Lühr und der ,,Königlichen Domainen-Cammer zu Hannover" verpflichtete sich Lühr, die stattliche Summe von 572 rth 9 ggr 7 Pf zu zahlen.

Mit dieser am 1. Februar 1855 fälligen Summe löste er folgende ,,gutsherrlichen Gefälle" ab:

Feste jährliche Geldabgaben

1. Ständiges Pachtgeld

2. Ständiges Dienstgeld

3. Erhöhtes Dienstgeld

4. Fixiertes Geld für Naturalien

5. Gefangenenwachdienstgeld

6. Lämmerzehnten

in Roggen und Hafer u. a. an die ,,Amtsvoigteistelle zu Barscamp", an den ,,Amtsvoigt zu Dahlenburg". Dann kamen hinzu Eiergeld zu Ostern an den ,,Amtsvoigt in Barscamp" und 24 Stück Eier am Gründonnerstag. Unter ,,ungewisse Gefälle" fielen ,,Hofanrechnungsgeld: Namensumschreibgebühr, Consensgebühren für Ehestiftungen, Ablobungen und Altentheilsbeschreibungen", ferner Stammgeld für jeden gefällten Stamm Hartholz. Für den Rezeß zeichnete am 9. Oktober 1854 der ,,Ablösungscommissar" verantwortlich.

Zehn Jahre später traf vom ,,Königlich-Hannoverschen Finanz-Ministerium, Abtheilung für Domainen und Forsten" ein ,,Ablösungs-Document", am 8. Juni 1865 ausgestellt, in Quickborn ein, das Halbhöfner Christoph Rabeler Nr. 1 zu Quickborn die ,,erfolgte Ablösung der betreffenden Domanial-Berechtigungen" bescheinigte.

,,Gegenstand der Ablösung und Bezeichnung der belasteten Stelle:

2. Ungemessener Briefträgertage."

Neben den gutsherrlichen Gefällen der Höfe standen Abgaben an die Kirche, Abgaben zur Unterhaltung der Schule und auch u. a. jährliche Lieferungen von 1 Hmt Weißhafer, sog. ,,Forstaccidenz". Am 3. Juli 1865 löste Chr. Rabeler diese Belastung ab gegen Zahlung von 14 Talern 2 ggr an das ,,Königlich-Hannoversche Finanz-Ministerium, Abtheilung für Domainen und Forsten". (78)

Am 12. Februar 1881 tauschten Doppelhöfner Georg Block, Dahlem und Halbhöfner Jürgen Heinrich Christoph Rabeler je 1 Flurstück und verpflichteten sich, den vor dem Amtsgericht geschlossenen Vertrag einzuhalten.

17. Juli 1893 erschienen vor dem Amtsgericht Bleckede in Dahlenburg Christoph Rabeler u. Ehefrau, Altenteiler J. H. R. Linde und dessen Tochter Altenteilerin M. D. Elisabeth Linde und deren Bruder Altenteiler Christoph Linde. Die Eheleute Rabeler verpflichteten sich, den 3 Altenteilern bis an deren Lebensende für jeden 1 l Milch tägl. und 1 Pfund Butter wöchentl. zu liefern. Diese sog. ,,Leibzucht" wurde als ,,dingliche Last" festgelegt. (79)

Am 21. Juli 1893 schlossen Hofbesitzer J. H. Chr. Rabeler als Käufer und Hofbesitzer Georg Block als Verkäufer einen Vertrag über den Lindeschen Hof zu Quickborn. Und zwar verkaufte Block an Rabeler einmal

Gemäß ihren Anteilen mußten sie 1/2jährlich im voraus für das Altenteil an Rabeler folgende Summen zahlen:

Der Auszug aus dem Verteilungs-Register von 1854 für den Halbhöfner Johann Christoph Lühr gibt einen Einblick in die Lage der Flurstücke und ihre Bewertung nach Kuhweiden. Insgesamt bewirtschaftete Lühr 1855 233 Morgen 81 Quadratruthen. Ein genauer Wirtschaftsplan wurde schon 1855 aufgestellt. In diesem Plan bewertete man nicht nur die Flächen, ihren ,,Culturzustand", sondern legte gleichzeitig die ,,Culturverbesserung" und die zukünftige Bewirtschaftung fest. Man unterschied eine Bestellungstabelle fur die ,,9 Kleeschläge", also bessere Böden, auf denen Roggen, Hafer, Winterkorn, Grünfutter, Klee, Erbsen und Kartoffeln mit Weide und Brache wechselten, während auf der Bestellungstabelle der fünf leichten Schläge Weide, Buchweizen und Roggen standen. Zu diesen Bestellungstabellen vermerkte im Mai 1855 C. Burmester, Gut Horn, der für den Wirtschaftsplan verantwortlich zeichnete, man hatte erfahrene Landwirte zur Beratung der Bauern eingesetzt, wie durch die Bestellungen die Schläge nach der ,,neuen Einteilung" verbessert werden müssen und welche Düngung erfolgen sollte.

Winterhalmfrüchten

 

-

44 Mrg

44 Rth

Sommerhalmfrüchten

 

-

19 Mrg

50 Rth

Erbsen und Buchweitzen

 

-

22 Mrg

22 Rth

Rothem Klee

 

-

9 Mrg

80 Rth

Weißem Klee und Weide

 

-

44 Mrg

44 Rth

Hackfrüchten und Brache

 

-

9 Mrg

80 Rth

 

Summa

 

149 Mrg

80 Rth

 

dazu Wiesen

 

16 Mrg

108 Rth

,,1876

 

Hekt.

Ar

qm

Nr.

    1. Jürgen Heinrich Christoph Rabeler,

Halbhöfner

102

97

 

    2. Johann Georg Saucke,

Halbhöfner

44

29

35

    3. Carl Wilhelm Hüter,

Halbhöfner

30

49

42

    4. HeinrichWilhelm Gerstenkorn,

Halbhöfner

31

64

98

    5. Johann Jürgen Mennerich,

Halbhöfner

44

00

26

    6. Jürgen Heinrich Linde,

Halbhöfner

40

77

52

    7. Erben von Steinhauer, (Kovahl)

Halbhöfner

 

25

34

    8. Heinrich Meyer, (Dahlenburg)

Rademacher

 

54

88

1846

1876

    9. Gemeinde

 

5

32

88

10. Heinrich Saucke

Steinsetzer

 

3

50"

Christoph Rabeler gehörte 1892 zu den Gründern der Molkereigenossenschaft. In den folgenden Jahren erweiterte er seinen Besitz, indem er Land zukaufte. So übergab er 1900 seinem Sohn Ernst, geb. 1879, der Elisabeth Grimm heiratete, 72 ha zur Bewirtschaftung. Neben der Vergrößerung seines Betriebes, Ausbau der Viehzucht, vor allen Dingen der Schweinezucht, galt sein Augenmerk der Erzeugung von Qualitätssaatgut. Es war daher nicht verwunderlich, daß er 1922 zu den Gründervätern der Saatbaugenossenschaft Dahlenburg gehörte, wie schon 1908 zur Errichtung des E-Werkes.


(Um die Darstellung zu vergrößern, bitte auf das Bild klicken)

Der ,,Verband hannoverscher landwirtschaftlicher Genossenschaften" teilte am 15. Dezember 1924 mit, daß er beschlossen habe, ,,Ihnen in Anerkennung Ihrer besonderen Verdienste um die Förderung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens die eiserne Denkmünze des Verbandes zu verleihen". Als er 1935 starb, übernahm seine Tochter Eleonore, die 1938 den Landwirt August Uffmann heiratete, den nun 100 ha großen Betrieb. Er führte Umbauten der Stallungen durch, vergrößerte die Anbaufläche für Kartoffeln und erbaute einen Keller für deren sachgerechte Lagerung. Als Vorstandsmitglied in der Saatbaugenossenschaft trug er nach 1945 wesentlich zur Festigung des Genossenschaftsgedankens bei und zur Erweiterung der Saatbaugenossenschaft. Politisch wirkte er im Kreistag und im Gemeinderat vor allen Dingen im landwirtschaftlichen Sektor und in sozialen Fragen. Als langjähriger Elternratsvorsitzender half er mit Rat und Tat beim Ausbau des Schulwesens mit.

1967 übernahm sein Sohn Ernst-August den Hof, er hatte 1964 Regine Rieckmann geheiratet. 1973 modernisierte er das Haus und intensivierte die Bewirtschaftung des 103 ha großen Betriebes. Sohn Jens wird dereinst das Erbe antreten.

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